Fossilien suchen im Steinbruch Solnhofen
Eine Reise 150 Millionen Jahre rückwärts
Es gibt Orte, an denen man spazieren geht. Und es gibt Orte, an denen jeder Hammerschlag ein Fenster in eine längst vergangene Welt öffnen kann. Solnhofen gehört zweifellos zu diesen besonderen Orten.
Wenn ihr den Hobbysteinbruch in Solnhofen besucht, setzt ihr eure Füße nicht einfach in einen Steinbruch. Nein, ihr befindet euch auf dem Boden einer tropischen Lagunenlandschaft, die vor rund 150 Millionen Jahren existierte. Damals lag Süddeutschland noch in einem warmen Flachmeer mit zahlreichen kleinen Inseln. Zwischen ihnen befanden sich ruhige, salzreiche Lagunen, in denen kaum Sauerstoff vorhanden war. Starb dort ein Tier oder sank eine Pflanze auf den Meeresboden, konservierte die natürliche Umgebung alles außergewöhnlich gut
Dadurch entstand eine der berühmtesten Fossillagerstätten der Welt – die Solnhofener Plattenkalke.
Eine Landschaft voller Leidenschaft und Geschichte
Das malerische Städtchen Solnhofen liegt mitten im wunderschönen Naturpark Altmühltal in Bayern. Sanfte Wacholderheiden, helle Kalkfelsen, Flusstäler und urige Dörfer prägen die Landschaft. Schon bei der Anfahrt erkennt jeder die hellen Steinbrüche, in denen seit Jahrhunderten der berühmte Solnhofener Plattenkalk gewonnen wird.
Der Besuchersteinbruch ist familienfreundlich angelegt und bietet jedem die Möglichkeit, selbst nach Fossilien zu suchen. Zwischen den sorgfältig geschichteten Kalkplatten beginnt die spannende Schatzsuche – ganz ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse. Nur Geduld sollte jeder haben.
Was solltet ihr also mitbringen?
Damit euch der Ausflug auch Spaß macht, empfiehlt sich folgende Ausrüstung:
- feste Wanderschuhe oder Sicherheitsschuhe
- wetterfeste Kleidung
- Sonnenhut und Sonnencreme – wichtig in den Höhenlagen
- viel Trinkwasser
- Arbeitshandschuhe –
- kleine Bürste zum Reinigen der Funde – pusten hilft nicht
- Rucksack oder Eimer für die Fundstücke
- Schutzbrille beim Arbeiten mit Hammer und Meißel
Hammer und Meißel können im Hobbysteinbruch ausgeliehen werden. Erlaubt sind ausschließlich diese Werkzeuge.
Welche Fossilien können gefunden werden?
Gerade das macht Solnhofen so besonders.
Mit etwas Geduld lassen sich entdecken:
- Ammoniten
- Muscheln
- Schnecken
- Garnelen und Krebse
- Fischschuppen
- kleine Fischskelette
- Pflanzenreste
- Koprolithen (fossiler Kot)
- gelegentlich Knochen von Fischen oder Reptilien
Viele Besucher fahren bereits mit ihrem ersten selbst gefundenen Fossil glücklich nach Hause. Wissenschaftlich bedeutende Funde werden allerdings vor Ort begutachtet und verbleiben gegebenenfalls bei der Gemeinde bzw. den wissenschaftlichen Sammlungen.
Die berühmtesten Entdeckungen aus Solnhofen
Solnhofen gehört weltweit zu den bedeutendsten Fossillagerstätten.
Hier wurden unter anderem entdeckt:
- Archaeopteryx – der berühmte Urvogel und eines der wichtigsten Fossilien überhaupt
- Flugsaurier
- Meereskrokodile
- verschiedene Fischarten
- urzeitliche Krebse und Garnelen
- Tintenfische mit erhaltenen Tintensäcken
- Seesterne
- Pfeilschwanzkrebse
- Libellen
- zahlreiche Insekten
- Pflanzen der Jurazeit
Der Archaeopteryx gilt bis heute als eines der berühmtesten Fossilien der Welt und liefert wichtige Hinweise auf den Übergang von Dinosauriern zu den Vögeln.
Wie entstanden diese außergewöhnlichen Fossilien?
Die Entstehung ist nahezu einzigartig.
Vor etwa 150 Millionen Jahren lag über dem heutigen Altmühltal ein tropisches Flachmeer. Kleine Inseln schützten ruhige Lagunen vor starker Brandung.
Dort herrschten besondere Bedingungen:
- sehr feiner Kalkschlamm lagerte sich ständig ab
- kaum Sauerstoff am Gewässerboden
- fast keine Aasfresser
- schnelle Einbettung abgestorbener Tiere
Dadurch blieben selbst feinste Details erhalten.
Bei manchen Fossilien erkennt man noch heute:
- Hautabdrücke
- Federn
- Flügeladern von Insekten
- Weichteile
- Tintenbeutel von Kopffüßern
Solche Erhaltungsbedingungen sind weltweit äußerst selten.
Der Steinbruch heute
Der Besuchersteinbruch besteht aus hellen, nahezu waagerecht liegenden Kalkplatten.
Mit Hammer und Meißel werden die dünnen Platten vorsichtig entlang ihrer natürlichen Schichtung getrennt. Oft genügt ein gezielter Schlag – und plötzlich erscheint eine versteinerte Muschel oder ein kleiner Fisch. So etwas zu entdecken macht richtig Spaß, ich kenne das auch schon zu genüge.
Genau dieser Moment macht süchtig. Ich bin auch ein begeistester Klopfer, das könnt ihr mir glauben.
Jede neue Platte könnte seit 150 Millionen Jahren das erste Mal wieder das Sonnenlicht sehen.
Mein gewonnener Eindruck
Wer einmal selbst eine Kalkplatte geöffnet hat, versteht sofort die Faszination der Fossiliensuche.
Am besten arbeitet ihr ruhig und konzentriert. Jeder Schlag sollte äußerst vorsichtig erfolgen. Dann öffnet sich die Platte fast schon alleine – und für einen kurzen Augenblick haltet ihr den Atem an.
Vielleicht erscheint nur die feine Struktur des Kalksteins. Das ist natürlich auch gut möglich.
Vielleicht blickt euch plötzlich ein kleiner Fisch entgegen, der seit der Jurazeit niemandem mehr begegnet ist. Dann ist natürlich die Freude riesengroß.
Solnhofen ist deshalb weit mehr als ein Steinbruch. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar aufeinandertreffen.
Und vielleicht auch wir bald. Ich würde mich auf jeden Fall freuen.
Chris
Hallo zusammen! 👋 Ich bin Christian, der Kopf hinter fossilienland.com. 🦴Ursprünglich komme ich aus dem Sauerland – dem Land der 1000 Berge. Hier habe ich die Welt der Fossilien quasi direkt vor der Haustür. Ob fossile Fledermäuse oder urzeitliche Insekten: Mir geht der Schreibstoff garantiert nicht aus! 🦇🦟Aber ich bin nicht mehr allein: Ich freue mich riesig, dass Yvi jetzt mit an Bord ist! 🚀 Als waschechte Kölnerin bringt sie ordentlich frischen Wind und Energie ins Team – wie ihr ja schon auf unserem Profilbild sehen könnt! ✨📸Zusammen mixen wir unsere Leidenschaft für Urzeit-Funde mit professionellem Webdesign. 🤫Habt ihr Fragen zu unseren Funden oder Themen? Schreibt es mir einfach direkt in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch mit euch! 💬 Jahrelang hab ich Berichte verfasst und ich bin noch in Übung. Das erkennt ihr sicher an meiner neuen Blogstory für den Juni. 🧑💻👇Alles Liebe und ein herzliches „Maach et joot!“🙋♂️Euer Christian